[Rezension] „Dem Blitz zu nah“ – Ada Palmer

Quelle: goodreads.com

Titel: Dem Blitz zu nah
Autor: Ada Palmer
Verlag: Panini Books
Preis: 19€ [D]
Seiten: 672

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Wir schreiben das Jahr 2454. Die Menschheit befindet sich in einem hart erkämpften goldenen Zeitalter, in dem Religionen und auch Nationalstaaten keinen Platz mehr haben. Sieben Fraktionen – die sogenannten „Hives“ – regieren nun gemeinsam die Welt, deren Herrschaft durch eine wohlwollende Zensur, statistische Analysen und technologischen Reichtum gestützt wird. Aber das Fundament dieser neuen Welt ist brüchig … Verurteilt für seine Verbrechen und gefeiert für seine Talente gilt Mycroft Canner als das bevorzugte Instrument einiger der mächtigsten Menschen der Welt. Als er damit beauftragt wird, einen bizarren Diebstahl zu untersuchen, findet er sich auf der Spur einer Verschwörung wieder, die die Weltordnung der Hives in ihren Grundfesten erschüttern könnte.

Quelle: goodreads.com

Sie werden mich für meinen Stil kritisieren, Leser, denn er ist sechshundert Jahre von den Ereignissen entfernt, die ich schildere.


Das Cover finde ich sehr gelungen, man sieht ein fliegendes Auto, welches auch in dem Buch selber vorkommt. Es ist nicht zu überladen und dennoch erkennt man, dass das Buch in der Zukunft spielt.


Der Schreibstil der Autorin ist sehr gewöhnungsbedürftig. Das gesamte Buch wird aus Sicht von Mycroft erzählt, der den Leser direkt anspricht, immer wieder Fragen stellt und einige ausschweifende Erklärungen bereit hält. Man muss sich wirklich darauf einlassen können, den Stil wird man erst mit der Zeit gewohnt.


Zu Beginn lernt man Mycroft kennen, der ein Verbrecher ist und nun der Menschheit dient. Als die sieben-zehn-Liste gestohlen wird führt alles zu dem Bash, bei dem Mycroft oft seine Arbeit verrichtet und der auch Bridger, ein begabtes Kind versteckt.

Ich wollte aufgeben, nach den ersten paar Kapiteln wollte ich wirklich aufgeben, weil das Buch wirklich anstrengend zu lesen ist und man genau aufpassen muss. Nicht nur gibt es sehr viele Namen und Beziehungen, auch fließt immer wieder eine Information in den Text, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat. Daran muss man sich erst gewöhnen und das hat bei mir fast 200 Seiten gedauert, aber danach war ich voll in dem Buch drinnen und wollte auch wissen, wie es weiter geht.

Laut Mycroft selbst ist Bridger der Protagonist des Buches, ein 13-Jähriger, der wunderwirken kann. Durch sein wunderwirken kann er Gegenstände lebending machen und darum versteckt ihn sein Bash auch. Allerdings kommt er nicht sehr viel vor und ich denke, dass man alle Zusammenhänge erst versteht, wenn man die komplette Reihe gelesen hat.

Es gibt so viele Charaktere in dem Buch, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann, aber Mycroft ist sicherlich jemand, der im Gedächtnis bleibt, allein schon weil er der Erzähler ist. Er hat ein Verbrechen begangen, welches erfährt man erst gegen Ende und bis dahin nimmt man ihn einfach als ganz normalen Kerl wahr. Man weiß nicht, ob er gestohlen hat, gemordet oder einfach eine Schlägerei begonnen hat und ich glaube, wenn man das schon zu Beginn erfahren würde, würde man Mycroft mit anderen Augen sehen, daher ist die Enthüllung gegen Ende, wenn man schon eine gewisse Sympathie für ihn hat sicherlich gut gewählt.

Ansonsten ist mir noch Carlyle in Erinnerung geblieben, der neue Sinnsager des Bash‘ für den Mycroft oft arbeitet. Sinnsager sind eine Art Priester, die mit jedem über alles reden, aber niemals eine eigene Meinung abgeben sondern immer nur das Gespräch voran bringen und das Gegenüber sprechen lassen. Seinen Beruf fand ich interessant, ebenso ihn als Person, denn er erfährt einige Dinge, die nicht seiner Meinung entsprechen und trotzdem muss er professionell bleiben und kann niemanden melden.

In der Geschichte passiert viel und auch nicht viel. Es wird viel geredet, aber insgesamt sind es nur wenige Tage, die auf diesen vielen Seiten behandelt werden. So genau kann ich gar nicht sagen, was nun der eigentliche Plot war, denn es gibt Bridger und es gibt die sieben-zehn-Liste, aber es gibt keinen wirklichen Spannungsbogen. Manchmal liest sich das Buch wie eine Sammlung von Fakten, ein Geschichtsbuch, und manchmal gibt es dann doch kleine Höhepunkte. Zwischendurch gab es aber auch ein paar Längen, da war das Buch für mich einfach uninteressant.

Man muss sich bei Dem Blitz zu nah darauf einstellen, dass man wenig über die Welt erfährt. Man erfährt zwar, wie die Macht aufgeteilt ist, welche Gruppen es gibt und für was diese zuständig sind, aber eine genaue Erklärung gibt es nicht. Hier sollte sich niemand darauf verlassen, dass alles erklärt wird, denn das wird es nicht.

Das wohl größte Merkmal des Buches ist es, dass alles in der wörtlichen Rede geschlechtsneutral geschrieben ist, da es in der Zukunft nur noch geschlechtsneutrale Pronomen gibt, diese sind hier nin/nim. Das mag zuerst verwirrend sein, aber mit der Zeit kommt man rein, das Problem ist eher, dass Mycroft ansonsten die Menschen einem Geschlecht zuweist, sei es nun aufgrund des Aussehens oder des Auftretens. So kann es sein, dass ein biologischer Mann in der Erzählung zu einer „Sie“ wird und umgekehrt, das basiert alles auf der Einschätzung von Mycroft selbst. Hin und wieder ist dieser Wechsel störend, aber Mycroft erklärt, wieso er das macht. Bevor man das Buch in die Hand nimmt, sollte man sich dessen allerdings bewusst sein.

Wie schon gesagt gibt es keinen richtigen Spannungsbogen, die Geschichte plätschert so vor sich hin. Allerdings hat es das letzte Kapitel in sich, allgemein die paar letzten Kapitel waren sehr gut geschrieben und machen Lust auf mehr. Ob ich die weitere Teile auch lesen werde kann ich nicht sagen, denn ich fand das Buch doch sehr anstrengend, aber es hat mir irgendwann auch sehr gut gefallen.

Ich tue mir bei dem Buch schwer es zu bewerten, denn zuerst mochte ich es gar nicht, aber dann wurde es immer besser und obwohl es danach noch Längen gab, hat es mich doch irgendwie gepackt. Dieses Drang weiter zu lesen hatte ich aber nie. Ich würde sagen, dass es alles in allem ein wirklich komplexes Buch ist, für das man sich genügend Zeit nehmen sollte. Schnell mal lesen geht hier nicht, ich habe es über einen Zeitraum von drei Wochen gelesen. Nachdem ich länger nachgedacht habe, bekommt das Buch vier Sterne.

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