[Talk] Sowas liest du?!

Diesen und andere Sätze musste sich sicher jeder Leser schon einmal anhören, vor allem wenn man etwas ausgefallenere Bücher liest bzw. Genres, die nicht so weit verbreitet sind. Da bilden sich schnell mal Vorurteile, aber sind diese wirklich gerechtfertigt? Eher nicht.


Wieder einmal kam ich durch ein Gespräch mit einem Freund auf die Idee zu diesem Beitrag heute. Auslöser dafür war ein Foto, von meinem Geburtstagsbüchern. Ein Buch zeigt einen Kerl, der sein Shirt hochzieht, damit man sein Sixpack sieht und die Aussage, die ich zurück bekam war, warum ich denn sowas klischeehaftes lese und dass das Cover allein schon total unrealistisch sei, weil kein Typ je diese Pose machen würde. Das kann schon sein, aber mehr zum Nachdenken gebracht hat mich der erste Teil des Satzes.

Kennt ihr das, ihr lest ein Buch in der Öffentlichkeit und habt das Gefühl, dass ihr das Cover verstecken müsst, weil ihr sonst verurteil werdet oder die Leute euch komisch angucken? Meist ist das der Fall bei erotischen Romanen, da diese eben ziemlich freizügige Personen auf dem Cover haben. Mittlerweile ist es mir schon egal, was die Leute denken. Wenn auf meinem Buch ein Kerl mit Sixpack drauf ist, ist das eben so, das heißt ja nicht automatisch, dass die Geschichte flach oder nicht gut genug ist.

Mir sind gleich mal drei Genres eingefallen, für die man manchmal komisch angeschaut wird. Einmal hätten wir hier Erotik/Dark Romance/Romance. Da ich die meisten Bücher aus dem Genre als eBook habe, habe ich mal zwei Exemplare ganz stellvertretend aufs Foto. Vielleicht kennt ihr ja den Festa Verlag der ziemlich aus der Reihe tanzt bei seinen Büchern. Man findet dort hauptsächlich Dark Romance, aber es gibt auch die Sparte Festa Extrem. Diese Bücher bekommt man nur über den Verlag, sind 18+ und wirklich nichts für schwache Nerven. Für diesen Beitrag aber das perfekte Beispiel. Man muss sich nur ein paar Titel durchlesen und weiß schon ungefähr, in welche Richtung das alles geht: Monstersperma, Geil auf Sex und Tod, Frauenzwinger und Perverse Schweine sind nur einige davon. Wenn man dann erzählt, dass man sowas liest, kann es schon vorkommen, dass man schief angeschaut wird, einfach weil andere es vielleicht nicht verstehen. Ich persönlich würde solche Bücher auch nicht lesen, einfach weil die meisten mir zu grausig sein würden. Aber trotzdem sind es fiktive Werke und nur dazu da, dass man abschalten kann.

Dann die halbnackten Kerle auf den Covern. Da denkt natürlich gleich jeder, dass da viel Sex und wenig Story dahinter ist. Bei vielen Büchern mag das stimmen, dennoch nicht bei allen. Vor allem die Dark Romance, oder BDSM Romane haben freuzügige Figuren darauf. Jemand liest also diese Genres gerne, heißt das dann automatisch, dass diese Person auch auf Fesselspiele oder Mafiabosse steht? Nein, dafür gibt es ja die Bücher. Trotzdem haben viele Leute immer noch die Vorurteile, dass Geschichten mit einem solchen Cover alle gleich und a la Shades of Grey sind, wie auch die Annahme von meinem Bekannten. Man braucht sich auch nicht schämen, wenn man ein solches Buch in der Öffentlichkeit liest, kann doch den anderen Leuten egal sein.

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Ein weiteres Genre sind Thriller, sowie Krimi und Horror. Stellvertretend dafür auch hier zwei Jugendthriller, weil ich das Genre nicht so sehr verfolge. Man sieht eigentlich immer sofort, wenn es sich um einen Krimi, Thriller oder ein Horrorbuch handelt. Auch hier verurteilen die Menschen. Wieso liest man denn, wie Kinder brutal ermordert, Frauen vergewaltigt und Menschen zerstückelt werden? Naja, die Antwort könnte lauten: Weil es unterhaltsam ist. Meine Erfahrungen mit den Genres sind wirklich klein, was einzig daran liegt, dass ich dann immer schlecht schlafe. Hier würd ich gern das Beispiel von Mitternachtszirkus bringen. Es ist eigentlich Fantasy, aber ziemlich brutal und ich hab die ganze Reihe in einer Woche gelesen und hatte danach Albträume. Daher halte ich micht davon fern.

Aber wieso sollte jemand, der gerne von Leichen und Morden liest komisch, krank oder sonst was sein? Es ist einfach ein Genre, das unterhalten soll, manche mögen eben Horror so gern wie andere Liebesromane mögen.

Kurze Ausschweifung. Liebesromane. Niemand kritisierst dieses Genre wirklich, niemand sieht einen komisch an, wenn man einen Roman, Liebesroman oder sonst was liest. Fällt nur mir das auf?

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Die dritte große Gruppe, die mir in den Sinn gekommen ist, sind Mangas. Mangas sind für Kinder, Mangas sind für Nerds, Mangas sind für unsere asiatischen Nachbarn. Irgendwie gibts hier recht wenige Leute, die Mangas lesen und wenn man einem im Geschäft kauft, gucken die Leute richtig blöd. Ich glaube ja einfach, dass die keine Ahnung von Mangas haben, denn meist haben diese eine echt tolle und vielschichtige Geschichte. Ich habe schon einige tolle Liebesgeschichten, aber auch Fantasy gelesen, durch die Bilder kann man sich alles noch besser vorstellen und eigentlich sind sie ja nichts anderes als Comics. Comics sind hingegen cool, zumindest habe ich dieses Gefühl.

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Bei manchen Büchern frag ich mich auch, wie Leute das lesen können, aber dann gehen mir die Gedanken eher durch den Kopf, weil ich selbst das Buch nicht aushalten würde. Entweder weil es zu schlimm, gruselig oder grausig für mich ist. Ich gucke auch keine Horrorfilme, nur so nebenbei. Ich finde es auch schade, dass immer die Annahme besteht, dass Jungs nur Jungsbücher lesen sollen. Wieso sollten Jungs nicht Vier Pfoten für Penny, Selection oder einen Liebesroman lesen dürfen? Es kommt mir so vor, als würde unsere Gesellschaft alle darauf hindrängen, dass es nur männlich ist männliche Bücher zu lesen. Dazu würde ich jetzt Krimis, lustige Romane, Horror, Sci-Fi oder Fantasy (ausgenommen Romantasy) zählen. Wehe man liest als Mann ein anderes Genre, dann wird man gleich mal von den anderen männlichen Wesen abgestempelt. Mein Eindruck, ist natürlich nicht immer so.

Und dann gibt es noch die Personen, die meinen, dass man sich durch lesen nur weiterbilden sollte, Sachbücher oder wissenschaftliche Werke lesen sollte. Alles andere sei nicht anstrengend genug und lässt einen nur verblöden. Das sind dann wirklich die ganz extremen Ansichten, die ich in keinster Weise teilen kann. Man strengt sein Gehirn beim lesen immer an, ob es nun viel oder wenig ist, sei dahin gestellt. Und nicht jeder liest um neues zu lernen. Die meisten Menschen lesen um etwas zur Ruhe zu kommen, zu entspannen oder abzuschalten. Ich lese, weil ich eh schon ganzen Tag auf den Bildschirm schaue und dann zu Hause was anderes machen will. Bücher sind da die perfekte Zuflucht.

Jeder hat hier eine andere Meinung, aber lasst doch die Leute lesen, was sie wollen. Ich werde auch nie zu Büchern greifen, die andere jetzt ganz toll finden, na und? Ich lese vielleicht auch etwas, das anderen gar nicht gefällt. Lest, was euch gefällt, was euch Spaß macht und lasst euch nicht von anderen dreinreden.

Hattet ihr auch schon einmal das Gefühl, dass ihr für ein Buch verurteilt werdet?

 

9 Kommentare zu „[Talk] Sowas liest du?!

  1. Ich lese mit Kindle, da sieht keiner die Cover 🤣
    Aber hinter Schmuddelcover können durchaus richtig gute Storys stecken.
    Ich geh eh nicht nach Cover. Sie sind zwar gut um meine Neugier zu wecken, aber wenn der Klappentext mich nicht interessiert, kann der Kerl auf dem Cover noch so ein tolles Sixpack haben 🙂

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  2. Hallo Jessi,

    Ein ganz toller Beitrag!

    Ich kenne das Problem selber, dass man blöd angeschaut wird … bei mir auf der Schule ist das aber hauptsächlich so, dass ich blöd angeschaut werde, weil ich ÜBERHAUPT lese. Da sind Aussagen á la „Lesen ist langweilig“, „Du bist eine Streberin“ oder „Hast du keine Hobbies?“ mittlerweile ganz normal geworden …

    Selbst, wenn ich sage, dass mir „The Hate U Give“ gut gefallen hat, was wir in Englisch als Schullektüre gelesen haben, werde ich schief angeguckt und Nasen werden gerümpft. So als müsste man jede Schullektüre schrecklich finden, nur, weil man sie in der Schule liest und mit dem Buch arbeitet. Ich wette, die meisten meiner Mitschüler fänden das Buch richtig gut, wenn sie es im Privaten gelesen hätten. Ich kann diese Menschen einfach nicht verstehen …

    Letztens war ich beispielsweise mit meiner Mutter und einer Freundin in der Buchhandlung und ich wollte unbedingt schauen, welche LYX-Bücher bei uns in der Stadt angeboten werden. Und die stehen nun mal in dem „Erotik“-Fach (was ich, nebenbei bemerkt, auch nicht so ganz verstehen kann, denn New Adult ist eindeutig etwas Anderes als Erotik). Meine Freundin und ich sind da also hin und meine Mutter hat mich ganz komisch angeguckt. Ich musste ihr dann erklären, dass einige Buchhandlungen einfach nicht verstehen, dass New Adult nicht gleich Erotik ist.

    So ähnlich lief einmal auch ein Bücherkauf mit meinem Vater zusammen ab. Er liest hauptsächlich Thriller, und dann hauptsächlich die von Fitzek. Als ich dann gesehen habe, dass es „Golden Dynasty – Größer als Verlangen“ bei den Mängelexemplaren gab, musste ich es mir einfach kaufen. Mein Vater ist fast vornüber gekiptt, als er den Titel und den Klappentext gelesen hat. Aber was soll man da machen – JLA ist halt meine Lieblingsautorin, und das hab ich ihm auch so gesagt. Er hat mir das Buch dann zwar gekauft, aber ich weiß, dass er das nur ungern getan hat.

    Liebe Grüße,
    Lara

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    1. Danke Lara :)

      In der Schule hab ich in der Mittagspause auch immer gelesen, die Jungs gingen essen. Zuerst waren sie noch ein bisschen schockiert und ein paar Witze (nicht böse gemeinte, wir haben uns alle super verstanden), durfte ich mir bis zum Schluss anhören, aber irgendwann war es für sie normal. Hätte ich nicht gedacht, in einer Klasse voller Jungs.

      Mit den Schullektüren ging es mir ähnlich. Wir haben z.B. „Die Verwandlung“ von Kafka gelesen und ich fand das Buch echt gut, das konnte auch keiner verstehen.

      Ok, die letzten beiden Stories sind schon heftig. Meine Eltern sind/waren da nie so. Mein Papa hat eine Wunschliste von mir, da sind auch Erotiksachen drauf und die kauft er mir auch. Bis jetzt hab ich da noch nie einen komischen Blick oder so bekommen. Meine Mama will dann die Erotikbücher immer selber haben, wenn sie dazu eine Rezension auf meinem Blog liest :D Kommt aber auch drauf an, wie alt man ist, denke ich. Mit 23 darf ich hoffentlich lesen, was ich will, ohne dass meine Eltern komisch gucken.
      Das mit deinen ist halt schon ein wenig übertrieben. Klar, Lyx hat auch Erotik, aber in Buchhandlungen steht alles, was auch nur ein bisschen Sex drin hat, bei Erotik. Ist leider so.

      Liebe Grüße,
      Jessi

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      1. Das stimmt … Ich glaube, meine Eltern haben so reagiert, weil ich eben „erst“ 16 bin und sie selbst nie Erotik-Bücher gelesen haben. Beide waren auch schon sehr erstaunt, dass ich Fantasy liebe, weil sie beide einfach nur Thriller lesen, und dann die ganz grausamen. Die mag ich auch, aber ich finde eben, die Abwechslung macht’s. Jedem das seine ;)
        Meine Mutter hat das mit den Lyx-Büchern dann auch verstanden, als ich es ihr erklärt habe und mittlerweile macht es auch meinem Vater nichts mehr aus, dass ich es lese.

        LG Lara

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      2. Ich hab erst vor ein paar Jahren begonnen Liebesromane und dann auch Erotik zu lesen, das hat mich nie wirklich interessiert, daher gabs das Problem früher bei mir nicht :D da hab ich nur Fantasy gelesen ^_^

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  3. Ja ich habe auch öfters schon das Gefühl gehabt verstecken zu müssen was ich da lese, habe aber zum Teil eine ganz andere Einschätzung dazu was andere unpassend finden und was nicht. Vielleicht liegt das daran wem man begegnet und in welche Schublade einen Leute stecken? Ich habe oft das Gefühl für Liebesromane kritisiert zu werden, während es als normal gilt Thriller und Fantasy zu lesen. Und natürlich auch dass Jugendbücher negativ auffallen…
    Bei diesen Covern mit den extremen Sixpacks muss ich sagen dass ich die selbst nicht mag :D es kommt mir manchmal vor als wenn Männer in Büchern zum Teil sehr stark auf ihren Körper reduziert werden und dass ich es sexistisch finden würde wenn man die Geschlechter umdrehen würde. Was ja wiederum bedeutet dass es teilweise Männern gegenüber sexistisch ist solche Männer Figuren am laufenden Band als Love- und Sex-interests in Bücher zu schreiben. Also Männerfiguren deren herausragendste Eigenschaft es ist, muskulös zu sein. Betrifft natürlich nicht alle Bücher und ich hoffe ich habe jetzt nichts geschrieben womit ich jemandem auf die Füße trete.
    Im großen und ganzen stimme ich dir zu – jeder sollte lesen dürfen was er oder sie will ohne dafür verurteilt zu werden. Ich glaube manchmal versteht man Blicke auch falsch und manche Leute sind irritiert ohne das ernsthaft schlecht zu finden.

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    1. Ich hab auch das Gefühl, dass Thriller und Fantasy allgemein als OK angesehen wird. Da schaut dich keiner komisch an, bei anderen Genres schon. Liebesromane wäre mir noch nicht aufgefallen.
      Ich mag ja die Cover mit Sixpackmännern :D Meist ist die Geschichte dann echt gut. Aber es stimmt, dass die meisten Jungs so aussehen in Büchern, da find ich es dann immer klasse, wenn sie mal wie Leute aus dem echten Leben, vielleicht nicht so sportlich oder gutaussehend beschrieben werden.

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