[Autoreninterview] Christian Handel

Keine Sorge, ich habe das Interview für diesen Monat nicht vergessen. Ich stelle euch im Dezember Christian Handel vor, ich habe bereits Kurzgeschichten und seine Novelle gelesen und bis jetzt haben mir alle Werke aus seiner Feder wirklich gut gefallen. Viel Spaß bei dem Interview!


Kurz über den Autor:

Quelle: drachenmond.de

Christian Handel wurde in der Schneewittchen-Stadt Lohr am Main geboren, die im sagenumwobenen Spessart liegt. Inzwischen lebt er allerdings in Berlin und ist selbst davon überrascht, wie sehr er sich als Landpflanze im Großstadtdschungel wohl fühlt.

Er begeistert sich für Stoffe über starke Frauen, märchenhafte Motive und queere Themen. Außerdem ist er einer der größten Buffy-Nerds überhaupt.

Sein Debut ROSEN & KNOCHEN bezeichnet es selbst gern als „dunkles Märchen“.

Quelle: drachenmond.de

Die Bücher:

  1. Rosen & Knochen: Die Hexenwald-Chroniken (Rezension)
  2. Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln (Rezension)
  3. In Hexenwäldern und Feentürmen
  4. Die Irrlichter

Ich selbst habe bereits Rosen und Knochen, sowie die Kurzgeschichte in Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln gelesen und beide Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Meine Rezensionen sind wir immer oben verlinkt, durch Klick auf den Titel kommt ihr zur Verlags- bzw. Amazonseite des jeweiligen Buches.


Das Interview:

1.Ich freue mich, dass du dieses Interview mit mir führst, stell dich doch kurz vor.

Mein Name ist Christian, ich bin in Unterfranken geboren und aufgewachsen und in der Schneewittchen-Stadt Lohr am Main auf die Schule gegangen. Inzwischen lebe ich in Berlin. Obwohl ich bereits als Kind eine Leseratte war, habe ich beruflich überwiegend mit Zahlen zu tun. Vor einigen Jahren begann ich auf www.fantasy-news.com zu bloggen, dann als freier Journalist für verschiedene Zeitschriften und Internetseiten zu schreiben. Letztes Jahr habe ich endlich den Mut gefasst und damit begonnen, das zu tun, wovon ich bereits seit meiner Kindheit träume: Romane zu schreiben.

2. Bis jetzt hast du einige Kurzgeschichten und eine kurze Novelle verfasst, auf was können wir uns noch freuen? Schreibst du schon an weiteren Büchern?

Derzeit arbeite ich an zwei Projekten parallel.

Eines davon ist die Fortsetzung von ROSEN UND KNOCHEN. Es freut mich sehr, dass meine Dämonenjägerinnen Schneeweißchen und Rosenrot so gut angekommen sind, dass der Verlag mir einen Vertrag für eine Fortsetzung angeboten hat. Diesmal müssen die beiden allerdings keine Hexe bekämpfen, sondern eine um Hilfe bitten. Die gefährliche Hexe Baba Yaga ist auch in der Welt der Hexenwald-Chroniken legendär.

Über mein anderes Projekt möchte ich derzeit noch nicht so viel verraten, außer vielleicht, dass ich der märchenhaften Fantasy treu bleibe.

3. Du wirkst auch beim Hexenwald- Kurier mit, wie kam es dazu und was ist die Idee dahinter?

Der Hexenwald-Kurier ist ein kleiner Gimmick für die Leser, ein fiktives, augenzwinkernd gemeintes Zeitungsblatt. Darin deute ich an, was im Hexenwald vor sich geht, bevor meine Jägerinnen beschließen, den Geist darin zur Strecke zu bringen.

In den Buchboxen vom Drachenmond Verlag liegen ab und an selbst gebastelte Goodies von AutorInnen bei. Da ich nicht basteln kann, habe ich mir lange überlegt, was ich beisteuern könnte – und bin so auf den Kurier gekommen.

4. Würdest selbst gern in einer Märchenwelt leben und wenn ja in welcher?

Nein, dazu bin ich zu bequem. Und ein Buch schreibt sich auch schneller am PC als mit Feder, Tinte und Pergament. Aber ich würde die Märchenwelt gern mal besuchen. Natürlich nur im Rahmen einer sicheren Touristentour, bei der nichts passieren kann. Nicht, dass ich aus versehen der falschen Fee auf die Schleppe trete und in einen Frosch verwandelt werde.

5. Deine beiden Protagonisten in Rosen und Knochen sind anders als andere Figuren und entsprechen auch nicht den Vorstellungen von Märchenfiguren (wer das Buch gelesen hat, weiß auf was ich hinaus will), weichst du absichtlich von den typischen Märchenfiguren ab, oder wolltest du einfach etwas Neues ausprobieren?

Deine Frage kann ich nicht beantworten, ohne zu verraten, worauf du hinaus willst. Wer sich also nicht spoilern will, überspringt am besten meine Antwort und wechselt zur nächsten Frage.

Für die, die noch hier sind: Mich interessieren bei Märchenadaptionen die Menschen hinter den klassischen Geschichten. Wer hat was warum getan? Weshalb will Rumpelstilzchen das Kind der Königin? Warum hat Aschenputtels Vater nichts gesagt, als seine neue Freu so garstig zu seiner leiblichen Tochter war? Wer sind diese Menschen, die in den Geschichten von Grimm & Co. nur so scherenschnittartig in Erscheinung treten.

Von Anfang an stand für mich fest, dass Schneeweißchen und Rosenrot bei mir keine Schwestern sein würden, sondern ein Liebespaar. Ich wollte damit nicht etwas Neues ausprobieren, sondern zwei Charaktere schaffen, die mir selbst in der Literatur lange Zeit gefehlt haben und von denen es immer noch zu wenig gibt. Aus Bare – A Pop Opera (eins meiner Lieblingsmusical) stammt folgende Textpassage: „There’s no such thing as heroes that are queer“ – also: „So etwas wie schwule/lesbische Helden gibt es nicht.“

Diese Aussage hat mich gleichzeitig wütend und traurig gemacht, weil sie so wahr ist. Zwar wird es in den letzten Jahren besser und besser, aber wir leben in einer Welt, in der Jahr für Jahr mehrere Superheldenfilme in die Kinos kommen, aber bis auf Wonder Woman und Thor 3 gibt es in keinem davon anders liebenden Figuren. Und auch da wurden diese nur angedeutet, nicht ausgesprochen. Wir haben noch keinen (offen) homosexuellen Disney-Trickfilmhelden (wobei ich auf Frozen 2 hoffe – #GiveElsaAGirlfriend) und nach Fantasy- und SciFi-Büchern mit nicht-heterosexuellen Helden muss man auch heute noch suchen.

Zurück zu Bare – einer der beiden schwulen Protagonisten stirbt gegen Ende des Musicals, weil er dem Druck von Außen nicht mehr standhält.

Ich bin schwul und hatte mit meinem Umfeld generell sehr viel Glück. Trotzdem hätte es mir immens gut getan, in Büchern Figuren zu begegnen, die „so sind wie ich“. Und deshalb sind Rose und Muireann keine Schwestern, sondern ein Paar.

Mein zweites Lieblingsmusical ist übrigens Wicked – Die Hexen von Oz. Kein Wunder, dass ich über queere Helden in märchenhaften Welten schreibe. Das war jetzt eine super-lange Antwort. Ist noch jemand da?

6. Wirst noch weitere Teile der Hexenwald-Chroniken schreiben und wenn ja werden diese auch düster?

In meinem Kopf gibt es bereits zahlreiche Geschichten, die in der Welt der Hexenwald-Chroniken spielen, teils mit Rose und Muireann, teils ohne sie. Einige dieser Ideen sind eher düster, andere eher magisch. Ich hoffe, es wird mir möglich sein, interessierte Leser noch in viele Teile dieser Welt mitzunehmen. Sie hat auch ihre hellen Seiten.

7.Was ist denn dein liebstes Märchen?

Ein einziges liebstes Märchen?! Das habe ich nicht. Mir haben es vor allem Zaubermärchen angetan. Als Kind war mein Lieblingsmärchenfilm Der Salzprinz.

8. Wenn du in einem Wald ausgesetzt werden würdest, und du drei Dinge mitnehmen dürftest, welche wären das und warum?

Was für eine Horror-Vorstellung! Ich habe mich im Sommer tatsächlich „kurz“ im Wald verlaufen und hatte zwar mein Smartphone dabei, aber kein Netz. Trotzdem würde ich mich dafür entscheiden, weil die eine oder andere App sich ggf. als hilfreich erweisen könnte. Als zweites entscheide ich mich für eine gefüllte Wasserflasche zum Umhängen. Vermutlich wäre ein Messer sinnvoll, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich damit selbst verletzte, statt es nutzbringend einzusetzen, ist verdammt groß. Deshalb hätte ich eine gusseiserne Bratpfanne mit dabei. Die ist schwer genug, um sich damit zu verteidigen – und zwar auch gegen Wesen aus der Anderswelt, die vielleicht zwischen Erlen und Eichen oder aus Pilzkreisen heraus auftauchen könnten.

9. Wenn du dein Autoren-Idol treffen könntest und ihm/ihr eine Frage stellen darfst, was würdest du fragen?

Durch meinen Blog und meine Arbeit als freier Redakteur hatte ich das große Glück, mich bereits mit vielen Autoren unterhalten zu dürfen, die ich sehr schätze. Nehmen wir dennoch an, dass sich eine solche Gelegenheit ergibt. Dann wäre meine Frage: „Bist du mit einer Kurzgeschichte in meiner nächsten Märchenanthologie im Drachenmond Verlag dabei?“

10. Was machst du neben dem schreiben sonst gerne?

Was man als großer Popkultur-Geek gern macht: mich mit Freunden treffen, Bücher und Comics lesen, TV-Serien schauen, ins Kino gehen – und mit besagten Freunden über all diese Dinge diskutieren.

11. Möchtest du den Lesern noch etwas sagen?

Einfach Danke. Für euer Interesse und für eure Begeisterung generell an Büchern. Lasst euch nicht einreden, Lesen sei Weltflucht. Das wird ja gern behauptet. Ich dagegen glaube, durch Bücher finden wir Seiten an uns selbst, die uns sonst verborgen geblieben wären.

Danke für die tollen Fragen!


Das wars auch schon, ich hoffe es hat euch gut gefallen, ich fand die Antworten alle phantastisch!

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